Pastamusik
- The Blow job - artist: Jichael Mackson aka sista bob - Pam 005
-------------------------------------------------------------------------------sor_b
::: publikation
alle poppen
auf dem dance floor das würde den lieben sexualisierten
pastamusikern aus münchen wohl so gefallen! wie wärs denn
zum beispiel zu röcknroll? oder würde sich hierfür
vielleicht heavy metal, gothic, swing country oder gar klassik besser
eignen? kein problem: denn bei pastamusik findet alles seinen platz!
bereits ihre verschiedenen, irreführenden startseiten zeigen, wie
offen sie doch sind. münchner tradition meets porno, wiesen meets
high society, mamas pasta meets betty bossy, bolly duster meets jichael
mackson der freimut sei keine grenzen gesetzt. pasta nummer 5
- so fresh, dass noch nicht mal der richtiger titel feststeht!
zeigt uns die eine seite der multiplen pastapersönlichkeit jichael
mackson. schwierig, ein gesamturteil zu fällen. ich kann dazu eigentlich
nur sagen: ein extrem polarisierendes charakterteil mit sehr viel mut
zum neuen und viel massivem druck. nichts für mimosen oder konventionelle,
norm-liebende alltagsmenschen. das ist was für abgedroschene freaks,
psychisch angeschlagene, krankenschwestern und uschi glas. k
-------------------------------------------------------------------------------De:bug
Dafür bekämen sie in Amerika den Entertainment
Nobelpreis. Ah, wofür, ihr seht das ja gar nicht, das zum Titel
handverlesene Cover mit dem Baby im Pusteblumen Meer. Das ist Freude
pur sag ich euch. Und die Tracks. Acid pur, Tiefe nur, leicht aus der
Spurrille und wie immer auf Pastamusik bis ins letzte ein Killer. Tuschelnd
und drängelnd, morbide und upliftend, psychedelisch und roh durchgerockt,
spleenig swingend und manisch albern bei aller Lässigkeit. Vier
Tracks die sich nichts vorschreiben lassen sondern alles besser wissen
müssen, weil sie sich die Grenzen selber bauen, wie einen Staudamm
im Sandkasten, denn es danach möglichst elegant zu umschiffen gilt.
Definitiv eine der floatendsten Platten des Monats, die Dubadepten genau
so gefallen dürfte wie jedem Oldschoolmaschinisten, den Funkliebhabern
ebenso wie dem Urgesteinraver.
http://www.pastamusik.de
bleed *****
Pastamusik
- Feierabend - Pam004
-------------------------------------------------------------------------------De:bug
Und diesmal gleich vier abräumer aus der skurrilsten der Münchner
Technoposses. Radikal tiefergelegte Groove mitten aus dem Herz des ewigen
Ravers mit bratzigen Basslines, skurrilen Vocals, keiner Angst vor der
ein oder anderen Rockattitude, vor Blödelein oder davor ehrlich
und aufrichtig drüber zu sein. Wer wissen will was passiert wenn
man zuviel Party macht und warum es dieses zuviel trotzdem nicht geben
kann, der braucht diese Platte, denn er ist diese Platte. http://www.pastamusik.de
bleed*****
-------------------------------------------------------------------------------Groove
Pastamusik
aus München schicken sich auch mit ihrer vierten Platte an, Labels
wie Musik Krause oder Ringelbeatz nicht die alleinige Vorherrschaft
über humoresken (Tech-)House zu überlassen. "Röck
n Röll" klappert schon in schönster stoischer Herbert-Marnier
los, fetzt aber mit E-Gitarren-Feedbacks derb in Richtung, äh,
Rock. Kommt super. "Freitag Abend (Jichael Mackson Mix)" versucht
sich in zwei Versionen im Crowdpleaser-mäßigen Sprechgesang,
der mir hier ein Zacken zu debil ausgefallen ist. "Highway To Brandenburg"
schließlich eiert wunderbar mit immer wieder aus den Fugen geratenden
Synths und lässt sich bestens zwischen einer Dial und einer Dust
Sucker Platte spielen.
TT
-------------------------------------------------------------------------------Raveline
Die neue Münchner Pasta-Schule liefert nicht nur mit jedem Release
feine Rezepte für Fettuccine-Freaks und Shuffe-Köche, House-Nudeln
und Frickel-Housefrauen - nein, sie überraschen jedes mal auf¹s
Neue mit überaus fantastisch frischen Produktionen in Form schmackhafter
Klangkunst: das sprudelnde Koch-Kollektiv rund um Sista Bob, Jack Guzik,
Anette Party und Jaeger 90 konstruieren hier mit dem Feierabend eine
freakwitzige und deutsch-bajuvarische Antwort für all diejenigen,
denen die Sandwiches längst zum Hals raushängen. Voluminöser
shuffle-House trifft auf bombastisch-digitale House-Fragmente, mörderisch
groovende Pasta-Beats untermalen die exzentrisch kölschen Sounds,
auf die Kompakter schon jetzt neidisch werden. Sobald aber die Pasta¹oide
Buchhaltung aka Jack Guzik in wirrkomischer Alltag-Poesie von seinen
sexistisch-verwirrenden Feierabend-Erlebnissen erzählt, gröhlen
selbst die Kölner diesen Überhit aus mit Pasta vollgestopfter
Kehle mit. Und jetzt bitte alle im Refrain: "...ein Mädchen
steuert auf mich zu, sie is' fast nackt , ich bin gerührt - sie
sagt: "komm mit mir mit, in's Diskolicht, dort zeig ich dir, woran
es liegt..." 6 Points Chris
Pastamusik
- Charmin/Velvet - Pam003
-------------------------------------------------------------------------------Bi-Wire
Records
Somewhere
between, click house, Chain Reaction and old school disco styles lies
Pasta Music. Charmin is a stepping bassy monster with disco string stabs
processed and phazed beyond recognition. The rhythm pattern keeps diverting
althrough out but the overall swinging funk does not fade. A most inventive
and refreshing track. Velvet is a slicker straight house disco track
but the outstanding production technique remains, Basic Channel making
a disco record. The chords are completely funked out and the insistant
drum and snare takes off!! A real gem.
-------------------------------------------------------------------------------De:bug
Sehr lässige deepe Housetracks von dem Münchner Label mit
shuffelnden Beats, weichen Basslines, smoothen Harmoniewechseln und
immer hittiger werdenden angerissenen Strings. Schöne Frühlingsplatte
durch und durch, die sich auf der A-Seite in einen dieser Hollywoodreifen
Breaks hineinsteigert und auf der B-Seite mit dunklerem Groove zeitlos
in die Breite geht. Sehr lässig.
bleed *****
-------------------------------------------------------------------------------Whistlebump
A brilliantly quirky piece of work from the Pastamusik crew, who take
a soaring orchestral string phrase, chop it up, and pair it with stripped-down,
clicky house beats. The end result is mesmerising, deeply funky, and
sounds like no-one else around - in an ever-expanding sea of mediocre
laptop-based glitch house, this has a personality and style all of its
own, and should appeal to open-minded DJs from many different scenes.
Tom Churchill
Monaco Jam - 50/50 - Pam002
-------------------------------------------------------------------------------De:bug
Das neue Münchner Label Pastamusik will sich nicht festlegen auf
einen Sound sondern eher auf eine Geste, und die heißt rocken
bis die Sequenzen nur noch Groove sind. zumindest auf dieser ziemlich
charmant ravenden Platte. Auf der A-Seite einer dieser Modulationstracks,
die sich gerne mal in klirrend verraschelten Percussioneffekten ausruhen,
mit Bassdrums Solos tanzen und danach erschöpft die Hände
in die Höhe reißen zum Sägezahn. Auf der Rückseite
ein smootherer deeper Track mit Dubs und flink flirrenden Sounds zwischen
den dichten Harmonien, die sich gerne ab und an mal aufbrechen lassen,
und ein percussives, trancig dunkles Experiment in Konzentration auf
Effekte. Schöne wuchtige, aber sehr subtile Platte.
bleed ****
About
the label
-------------------------------------------------------------------------------De:bug
Kennen
Sie München?
Pastamusik
und DJ Linus
Wer in München versucht, abseits von Mega-Rave und Schickeria auszugehen,
hat es schwer, besonders seit Ultraschall, Flokati Club und Mandarin
Lounge der Vergangenheit angehören. Mit dem jungen Label Pastamusik
und dem alten Hasen DJ Linus schicken sich ein paar Lokalpatrioten an,
die weißen Flecken auf der bajuwarischen Partylandkarte wieder
mit Leben zu füllen. Kollateral-Nutzen: Gute Musik kommt dabei
auch noch rum.
Über München scheint die Sonne. Meistens jedenfalls. Die Menschen
wirken glücklich, sie sehen gut aus und verdienen nicht schlecht.
Am Wochenende setzen sie sich in ihr Auto und fahren an den See oder
in die Berge, wenn sie nicht im Biergarten um die Ecke bleiben. München
hat zwar den besten Fußballverein der Welt (Stand Herbst 2001),
das Nachtleben aber kickt oft eher auf Regionalliga-Niveau. Was tun,
wenn es dunkel wird, gehörte immer zu den komplizierteren Fragen,
wenn man House mochte und Tanzen gehen wollte.
Rummel
statt Rave
Von den verfügbaren Nightlife-Optionen bildet die P1-, Parkcafe-,
Pacha-Schiene so etwas wie den dominanten Diskodiskurs. Die Disziplinen
aufbrezeln, Schampus saufen und abschleppen werden geprüft und
die Logik dahinter ist streng binär: reinkommen/nicht reinkommen.
Im Praxistest erweist sich der Parcours eher als be- denn entgrenzende
Veranstaltung, die aber ziemlich Stadtbild-prägend wirkt. Als Alternative
zum Schickeria-Style entwickelte sich in München Mitte der 90er-Jahre
eine Mega-Rave-Ausgehkultur. Bei den zahllosen Großveranstaltungen
wehte das Energy-Drink-Banner auf allen 150 Floors und spätestens
in der Grillwurst-Area beschlichen auch konsumaffirmative Raver Zweifel
an dem, was ihnen da als heißer Scheiß angedreht wurde.
Den nur noch kleinen Schritt vom Rave zum Rummel vollzog schließlich
der Kunstpark Ost. Das ghettoisierte Ausgehen, das schon seit dem Flughafen
Riem eine gewisse Tradition hatte, wurde hier zu Ende gedacht und hat
viele von der Tanzfläche in die innere Emigration getrieben.
So weit, so schwierig. Alles, was sich mit einem spezielleren Musikprogramm
und kleinerem Rahmen jenseits des Trends zum Event etablieren wollte,
hatte es fortan schwer Standort und Publikum zu finden. Das Ultraschall
hielt lange und engagiert das Technofähnlein hoch und subventionierte
damit elektronische Obskuritäten im grünen Raum. An dieser
Stelle ging mit dem Flokati freitags ein kleiner, feiner Houseclub an
den Start, der oft gute DJs buchte, aber leider kaum eigene Residents
hervorbrachte. In dem Klub mit dem unhandlichen Namen KW das
Heizkraftwerk fuhren bevorzugt durchgenudelte Ami-House-Größen
wie David Morales mit der Stretch-Limo vor, da sich die Veranstalter
das Motto "World League" auf die Fahnen geschrieben haben.
Seit der Kunstpark Ost Anfang des Jahres seine Pforten schloss, werden
die Nightlife-Karten wieder neu gemischt. Und siehe da, es bewegt sich
was. Schwabing Girls und Westend Boys tanzen wieder in der Innenstadt,
der Dancefloor wird nicht mehr nur von Teenagern bevölkert und
Münchens großes Potential als Musikstadt scheint wieder mehr
auf das Nachtleben abzufärben. Vielleicht wird bei dieser Gelegenheit
auch die Münchner House-Szene aus ihrem Dornröschenschlaf
geweckt. Potentielle Prinzen fürs Wachküssen sind das junge
Label Pastamusik und der Routinier DJ Linus, die mit unterschiedlichen
Mitteln, aber gleichem Engagement an dieser Baustelle arbeiten.
Besuch bei Pastamusik ...
Das
integrierte Office, Studio und Soundsystem-Lager von Pastamusik liegt
in einem großen, grauen Gebäude, in dem vormals Beamte der
Münchner Stadtwerke an ihren Schreibtischen dösten. Die sind
nach einem Stellenabbau in die Vorstadt umgezogen, weswegen die leeren
Räume jetzt kostengünstig genutzt werden können
bei den Münchner Mietpreisen ein erheblicher Vorteil für ein
junges Label. Die langen Flure verströmen noch viel behördlichen
Anticharme und im Foyer wird man gleich von einem Aushang des Hausmeisters
begrüßt, der Parties ausdrücklich und unter Androhung
fristloser Kündigung untersagt. In den Ecken der Gänge stehen
lehre Augustiner Hell Flaschen von dem letzten Fest, aber Richi meint,
sie hätten damit nichts zu tun gehabt. Allerdings würden Mike,
Richi, Gabriel und Bob durchaus ins Täterprofil passen. Sie kennen
sich schon seit Jahren und haben so manche legale wie illegale Party
auf die Beine gestellt, T-Shirts gedruckt und das Fußballturnier
einer lokalen Radiostation gewonnen. Bereits 1997 brachte man mal ein
Weißmuster in Umlauf, blieb aber mit dem Label nicht am Ball.
"Wir wollten immer ein Label gründen, haben dann aber meistens
andere Sachen gemacht", kommentiert Bob die lange Spanne und macht
klar, dass es bei Pastamusik neben der Musik eben auch darum gehe, etwas
auf die Beine zu stellen. "Ein Label ist wie eine Band heutzutage",
meint Gabriel, was für elektronische Verhältnisse vielleicht
etwas unnaheliegend klingt, aber im Fall der Münchner durchaus
zutreffend ist. Man will möglichst viel zusammen machen, auch wenn
das zu endlosen Diskussionen führt, nicht zuletzt weil die Labelpolitik
mutationsfreudig wie die namensgebende Teigware sein soll. Ein wenig
täuscht der Gemeinschaftscharakter aber darüber hinweg, dass
die ersten drei der vier bisher erschienenen Maxis im Wesentlichen von
Sista Bob stammen. Seine Tracks bewegen sich in der Grauzone zwischen
minimalem House und Techno und sind mit feinem Gespür für
Sounds und Dramaturgie produziert. Hier wird an der eigenen Idee gefeilt,
nicht auf den Zeitgeist oder Trendyness geschielt, denn Wertarbeit hat
kein Verfallsdatum. Ergebnis des langen Destillationsprozesses sind
dann Tracks wie 50/50, eines jener seltenen psychoaktiven Rave-Monster,
die Gänsehaut und Schweißausbruch gleichzeitig auslösen
können. Die vierte Ep, Feierabend, setzt den Kollektivgedanken
am konsequentesten um. Über Gabriels Track gibt Mike den MC und
erzählt zur knarzigen Acidbassline eine Geschichte von den Versprechungen
des Nachtlebens, die nie eingelöst werden. Oder doch? You decide!
Bob hat einen Remix und einen eigenen Track beigesteuert und Richi war
bei all dem auch mal in der Gegend, wie versichert wird. Tatendrang
und Kollektivgeist von Pastamusik entladen sich auch einmal im Monat
in Form einer Party. Einen nationalen oder internationalen Gast lädt
man sich ein, den Rest der Beschallung übernimmt man selbst. Mike,
Richi und Gabriel legen auf, Bob eher selten, spielt aber dafür
live. Man hat genaue Vorstellungen, wie so eine Party aussehen soll.
Wichtig beim auflegen: zuprosten, noch wichtiger: Kontakt zu den Leuten,
darüber den Groove finden, der aber nicht zu schnell sein darf.
Gewissermaßen gemütlich das Haus niederrocken. Da geht es
auch um Vermittlung, wie Bob meint: "Die Szene, die wir beglücken
wollen, müssen wir auch erst mal zusammenführen." Pastamusik
leisten Basisarbeit für den Monaco Jam. Insofern sind die Münchenverweise
auch kein selbstgefälliges "mir san mir", sondern eher
ein trotzig aktionistischer Lokalpatriotismus. Manchmal ist es eben
durchaus Arbeit, aus der Reihe zu tanzen.
...
und DJ Linus
Am
Viktualienmarkt sieht München aus wie in dem Paulaner-Bier-Fernsehspot
- irgendwie bedrückend gemütlich. Von den überall aufgestellten
Werbeplakaten für die bevorstehende Landtagswahl lächelt eine
junge Frau, die das CSU-Parteilogo als Aufklebtattoo auf der Schulter
trägt. Ein paar Schritte weiter befindet sich der Plattenladen
von DJ Linus. Seine Tätowierungen kann man wohl nicht wegschrubben.
Die Wände sind voll neuer Maxisingles, an den freien Stellen kleben
Zeitungsausschnitte aus der Taz. Seine Kunden berät der Elder Statesman
der Münchner Houseszene nett und kompetent von der bequemen Couch
aus. Linus legt nun schon seit 1987 auf, sein halbes Leben, wie der
33-Jährige nicht ohne Stolz anfügt. Er war Resident DJ in
verschiedenen Clubs, unter anderem in der Mandarin Lounge, der nicht
nur er selbst nachtrauert. Im Augenblick spielt er samstags im Palais,
einem Club, dessen Interieur man die Nachbarschaft zu einem Animierlokal
deutlich anmerkt. Seit Anfang der 90er-Jahre produziert Linus eigene
Tracks und wurde Mitte der 90er das House-Aushängeschild von Michael
Reinboths Label Compost. In dieser Phase konnte er sich mit seinen deephousigen,
oft mit einem Disko-Einschlag versehenen Style einen guten Namen machen.
2001 gründet er sein eigenes Label Exun, auf dem eigene, aber auch
Tracks befreundeter Produzenten erscheinen. Linus Stücke
wurden merklich minimaler, perkussiver und elektronischer im Klangbild.
In England, Frankreich und den USA stieß er damit auf mehr Aufmerksamkeit
als in Deutschland und sein bislang größter Hit, das wunderbare
"Who Stole the Soul?", kam hierzulande ironischerweise vor
allem über die Lizenzierung von David Duriez' Brique Rouge Trax
ins Gespräch. "We need more Erykah Badus ... and less children
with no destiny", heißt es darin und die Klage des befreundeten
Rappers über die "empty minded music" könnte auch
von Linus selbst stammen. Sein Gegenrezept: Underground - ein Lieblingswort
von Linus, das einen durchaus weiten Bedeutungsumfang zu haben scheint.
Underground meint vor allem Eigenständigkeit, auf niemanden hören
zu müssen und seine eigenen Strukturen bilden. Das macht Linus
mit seinem angenehm zurückgelehnten Selbstbewusstsein immer wieder
klar. Underground beißt sich nicht damit, auch mal im Ministry
of Sound aufzulegen ("die DJ Booth sieht aus wie ein Raumschiff")
oder sich die Plattenhüllen von einem Fashionlabel sponsoren zu
lassen ("kommt meinen Künstlern zugute"). In jedem Fall
ist Underground das Gegenteil von dem "Wichtigtuer-Kommerztrip",
einem Phänomen, für das Linus viele Bezeichnungen findet -
vielleicht eine Spätfolge der Jahre, die Linus neben Tom Novy hinter
der Theke des Recordshop verbracht hat, wie man laienpsychologisch deuten
könnte. Diese typisch Münchner Erscheinung wirkt sich auf
die ganze Szene aus: "Abzocker gibts in München wie
Sand am Meer. Die Leute sind mit komischen Raves, Clubs, so genannten
Bookings und hohen Eintrittspreisen verarscht worden. München ist
eine reiche Stadt, da laufen sowieso viele Koksnasen rum, die von tuten
und blasen keine Ahnung und auch überhaupt kein Musikverständnis
haben. Die tanzen auf irgendeine blöde Musik, nur weils die
anderen auch machen." Meint Linus im Stile eines Vokals seiner
Platten. Er pflegt lieber seine Connection nach Frankreich. Demnächst
wird eine Linus 12" auf dem Brique Rouge Sublabel Stay True erscheinen
und David Duriez will auch einige Tracks für Exun abliefern. Neben
einem eigenen Musikverlag baut Linus gerade ein Netzwerk auf, in dem
Bookings jenseits der agenturüblichen prozentualen Abschläge
vermittelt werden sollen.
Hoffentlich
düngt der kleinste gemeinsame Nenner aus Bookingagentur und Schüleraustausch
den House in München, wie es der monatliche Pastamusik-Bash bereits
tut, so dass das zarte Pflänzchen endlich seiner schattigen Randlage
entwächst. Sonst muss man halt wieder an den See fahren ...
-------------------------------------------------------------------------------Spex
Data Pop
Einen wunderschönen
guten Tag wünscht Data Pop. Viel Wasser ist den Rhein, Schweiß
die Wände und Alkohol unsere Hälse hinunter gelaufen, seit
hier zum letzten Mal der monatliche Fließtextwahnsinn versuchte,
einen kleinen, subjektiven Ausschnitt der überbevölkerten
Welt der elektronischen Tanzmusiken (fürderhin »ET«
abgekürzt) zu beleuchten. Schön, dass Ihr wieder da seid.
So ist mal wieder keiner allein.
Für die total dramaturgisch stringente Reihenfolge bin ich heute
leider ein wenig zu erschöpft, fangen wir also einfach irgendwo
an, wo`s schön ist: In München. Ein neues Label hat das Licht
am Ende der Presswerke erblickt, und ich kann euch sagen, es ist ein
gutes und schönes geworden. Nicht nur mit den drei ersten Releases
von MONACO JAM (»50/50« und »Sendling«) und
PASTAMUSIK (»Charmin&Velvet«) hat mich das Label von
Sista Bob, Jäger 90 und Anette Party (sic!) musikalisch voll überzeugt,
nein, die Herrschaften waren sich auch nicht zu schade, sich ein charmantes
Konzept für ihre Waschzettel auszudenken: So bekommt man zu jedem
VÖ nicht nur einen kleinen poetisch-literarischen Text irgendwo
zwischen Pop-, Beat- und Tagebuch-Schreibe, sondern auch ein historisches
Pasta-Rezept (z.B. »Spaghetti con pomodoro« von Hank Williams
aus dem Jahre 1966) frei Haus geliefert. Stilistisch bedient Pastamusik
so ziemlich jede an ET geliebte Spielart, und das jeweils auf hohem
Niveau. Der vorläufige Hit ist zweifellos das verspielt-dubbige
Acidhouse-Sägemonster »50/50« (alle: Pastamusik/Neuton)....